Iron Courtain Trail: Viertes Kapitel (2016)

]Der Planungsgott war gnädig gestimmt und spendierte 3 Wochen Urlaub ! Wir starten am 11.Juli, dann vielleicht als Fußballeuropameister, Mittags von Tegel über Oslo nach Kirkeness. Am 1. August fliegen wir dann von Helsinki zurück. Dazu müssen wir einplanen, daß es in Finnland`s Norden doch nicht so viele Hotels und Pensionen gibt. Nicht zu vergessen, daß wir uns in der Wildniss ja irgendwie versorgen müssen. Zu letzterem Problem haben wir einfach mal „Outdoor Peter“ befragt. Diesbezüglich ein sehr erfahrener Junge, der uns auch einige Dinge zur Verfügung stellen wird.
Das buchen der Flüge war mal wieder eine spannende Aktion.Über Umwege und mit riesigem Zeitaufwand kommt man günstig nach Kirkenes. Wir haben aber keine Zeit, und mogeln ein bisschen mit dem Abflugsdatum. Siehe da, wir bekommen die schnellste Verbindung zum relativ günstigen Preis. Von Tegel über Oslo nach Kirkenes in 6 Stunden für 300 EUS incl. Rad war nach langen Recherchen akzeptebel. Dieses Superangebot wird nicht gesponsort, lediglich von SAS angeboten.
Zurück fliegen wir von Helsinki über Stockholm nach Schönefeld, da ist Dirk auch gleich zu Hause. Den geringeren Preis von 100 Euro, ohne Rad, zahlen wir gerne. Das Rad brauchen wir nicht extra bezahlen, man hat zwein Gepäckstücke frei. Hier ist Norwegian Airlines der Anbieter.
Weiter geht`s mit der Ausrüstung: Lowrider, Zelt, Schlafsack, Kocher, Geschirr, Verpflegung. Es gibt so viel, woran man denken muß. Ersteres ist kein großes Problem, für die Versorgung kaufen wir bei „terrific.de“ die Travelluchbox, und bezahlen für 18 Portionen a 250 gr. 110 Euro. Diese sind als „Mittagssnack“ gedacht. Wir haben sie schon getestet, und finden es gar nicht so schlecht. Eine Tüte enthält zwei Portionen. Allmählich treffen die bestellten Artikel bei uns ein. Für uns ein guter Zeitpunkt, unsere Kondition zu testen. Ostersonntag starten wir, und fahren 80 km nach Jüterbog. Am Montag erstmal die große Flämingskaterunde und dann über Treuenbritzen Richtung Heimat. 140km, soweit nicht schlecht, aber Dirk`s Knie will nach 100 km eigentlich nicht mehr. Am Dienstag fahren wir die restlichen Kilometer nach Hause, 80 sind`s nochmal. Das nächste gemeinsame Trainingscamp führt uns auf dem Oder- Neiße- Radweg von Angermünde nach Liberec, 420 km in drei Tagen. Induvidualtraining wird natürlich alternativ absolviert. Wir haben den Test bei besten Bedingungen bestanden. Am ersten Tag Rückenwind und leicht bewölkt, am zweiten Tag dann Gegenwind mit gelegentlichen Schauern, und zu guter Letzt, Gegenwind, Hügel und Regen. Die Klamotten haben dicht gehalten. Die tschechische und polnische Küche sind besser als „Travellfood“.
Nun müssen wir noch die restliche Ausrüstung testen. Also alles rauf auf’s Rad,und eine kleine Tour gemacht. Da wir den Regentest schon bestanden haben, machen wir bei dem Hagelschauer eine Pause. Später werden wir die Hagelkörner im Wald noch sehen. Am Oder -Spree -Kanal soll unsere Schlafstelle sein. Der Aufbau funktioniert. Die Angel wird auch noch erfolgreich getestet. Noch ein Schlumertrunk und dann ab ins „Bett“. Wir schlafen etwas unruhig, aber es geht. Eine große Plane, oder Tarp, wie wir ja heute sagen, werden wir noch holen.
Endlich der 11. Juli. Europameister sind wir nicht, hätte uns auch nicht so unbedingt zusätzlich motiviert. Der Radkartontransport klappt hervorragend, wir fahren natürlich viel zu früh los. Und immer wieder die Frage “ Haben wir an alles gedacht ?“ An dieser Stelle wird es Zeit, allen zu danken, die unsere offensichtliche Nervosität und Unruhe ertragen haben. Die Räder werden problemlos in den Kartons verstaut, das restliche Gepäck in stabile, große Travellback`s. Die gibt es in unterschiedlichen Qualitäten in jedem gut sortierten Outdoorladen. Als der Check Inn beginnt, sind wir fertig. Alles funktioniert, die Räder bringen wir zum Sperrgepäck und haben noch Zeit für das erste Tourbier. Der Flug startet relativ pünktlich. In Oslo angekommen dann die Durchsage “ Alle Passagiere mit Anschlußflügen bitte ihr Gepäck nochmal einchecken“. Ja, nee, ist klar. Wir fragen nach, und tatsächlich, die freundliche Stimme meinte auch uns. Mit leicht erhöhtem Puls suchen wir unsere Sachen. Die Säcke sind recht schnell auf dem Gepäckband, nur die Räder dauern. Dirk ist bei solchen Dingen dann auch recht schnell unentspannt, der Puls steigt weiter. Dann sehen wir die Räder. Mit Rad und Pack dann eine Etage höher, man lächelt uns an, und gibt uns zu verstehen, daß wir entspannt sein können. Aber wir müssen nochmal durch die Sicherheitskontrolle. Wir wählen natürlich die Reihe, an der es am längsten dauert. Endlich drin suchen wir nach dem Gate und stellen fest, 30 Minuten Verpätung. Irgendwie ein glücklicher Umstand, denn wir sind beide der Meinung, daß wir uns ein Bier verdient haben. Nun ist die Kombination Norwegen + Alkohol + Flughafen ein sehr ungünstige. 12 Euro der Halbe! Egal, es soll das teuerste Tourbier sein. Dann gibt`s nochmal eine Stunde Wartezeit dazu, jetzt allerdings ohne Bier. Der Puls ist wieder normal. In Kirkeness angekommen, klappt es wieder reibungslos. Die Räder zusammenbauen, Gepäck aufladen, und natürlich den Wassersack voll machen. Gegen 22:30 sind wir startklar und innerlich aufgewühlt. Also fahren wir los. Nach nicht mal einem Kilometer läuft uns das erste Rentier über den Weg. Gleich am ersten Strassenschild der Hinweis, daß wir auf dieser Strecke auch nach Murmansk kommen. Wollen wir aber definitiv nicht! Nach 15 km fahren wir dann ganz dicht an Zar Wladimir`s Reich vorbei. Hier wollen wir dann auch nicht unbedingt unsere Zelte aufschlagen. An einer Tankstelle in Hesseng kaufen wir eine Campinggaskartusche. Wir können in Euro bezahlen, den Rest gibt es in Norwegischen Kronen wieder. Der Umtauschkurs ist auch o.k. Wir schaffen 30 Kilometer und suchen uns einen Platz in Wassernähe. Es gestaltet sich schwierig, da wir glauben, den Mücken entfliehen zu können. Ein kleiner Nachtimbiss, und um 2:30 Uhr geht`s ins „Bett“. Es ist taghell.

Flughafen Kirkeness, Daß Abenteuer beginnt
Ein Hinweis, daß Russland nicht so weit weg ist

1. Tag Kirkenes – Grense Jacobselv – Kirkenes 100 km

Gegen 8:30 Uhr ist die „Nacht“ zu Ende. Es hat angefangen zu regnen. Wir frühstücken ordentlich und fahren kurz vor 10 Uhr los. Da wir wissen, dass wir diesen Weg nochmal zurückfahren dürfen, können wir uns über rasanten Abfahrten wenig freuen. Und davon gibt es einige. Der Weg ist generell sehr gut. Nur die letzten 10 km nach Jacobselv sind fester Sandweg. Hier bildet der Fluß gleichzeitig die Grenze zu Russland. Durch den Regen und Gegenwind kommen wir nicht sehr schnell voran. Kurz nach 12 Uhr erreichen wir die Barentssee, den nördlichsten Punkt unserer Tour. Noch oberhalb von Island und Alaska, oder auf Höhe von Grönlands Süden. Von hier ab quasi nur noch Richtung Äquator. Außer einer stürmischen See und der Steinkirche von 1869 hat der Ort nichts zu bieten. An der Kirche werden wir von einem Südnorweger angesprochen. Das Übliche woher und wohin, wie lang, wieviele Kilometer, wieviel wiegt das Rad ? Er macht noch ein Foto von uns, also liebe Grüße nach Kristiansand. Etwas enttäuscht, auch wegen des Regens, fahren wir mit leichtem Rückenwind wieder zurück. Auf dem gesamten Tagesabschnitt gibt es keinerlei Versorgungsmöglichkeit. Der Wasservorrat geht zur Neige, also kurz mal an die Haustür geklopft, und die Flaschen aufgefüllt. Nach einigem Auf und Ab werden an der Tankstelle vom Vorabend dann die Vorräte wieder aufgefüllt. Wasser, Cola, einen schnellen Hot Dog – aber kein Bier. Nach Kirkenes fahren wir nicht rein. Wie wir später erfahren, ein gute Entscheidung. Wir fahren noch am Flughafen vorbei, und suchen einen Schlafplatz. Die Böschung runter, dicht an der Strasse, in der Hoffnung, nicht gesehen zu werden. Nur Trucker sitzen etwas höher, und freuen sich, mitten in der Nacht zu hupen. Spaghetti Bolognese aus der Tüte gibt es zum Abendbrot, obwohl einige Birkenpilze um uns herum stehen. Aus Mangel an Speck und Zwiebeln wird diese Mahlzeit nur um einige Tage verschoben.Miquado Gallery Platzhalter, bitte Anklicken.

Die erste Nacht in der „Wildnis“ ist überstanden
Blick auf Putins Reich
Wir haben die Barentssee erreicht ! Regen und 5 Grad
Ein bisschen Gemütlichkeit

2. Tag Kirkenes – Supru 115 km

Kurz nach 6 werden wir mal wieder durch den Regen geweckt. Es gibt das übliche Frühstück, Salamistulle, Krümelkaffe und Kekse. Als wir alles geladen haben, beginnt es wieder stärker zu regnen. Aus Mangel an Alternativen machen wir uns trotzdem auf den Weg. Die Räder sind vom gestrigen Sandweg noch dreckig, aber putzen lohnt noch nicht. Die Strecke ist anfänglich relativ flach und wenig befahren. Wir fahren direkt am Fjord entlang, was bei schönem Wetter auch bestimmt Spaß macht. An einigen Aussichtspunkten sieht man, wie die Wolken gaaaaaaaaanz langsam abziehen. In Neiden verjubeln wir die letzten norwegischen Kronen für einen Kaffee. Eine landschaftlich sehr schöne Gegend, rauh, mit reißenden Flüssen bleibt allmählich hinter uns. Gegen 12 Uhr fahren wir nach Finnland. Da wir uns von der Küste entfernen, verändert sich auch die Landschaft, wobei es immernoch sehr hügelig bleibt. So um die 800 Höhenmeter dürfen wir jeden Tag überwinden. Ja, wir fahren sie auch immer wieder runter, trotzdem ein ungleiches Verhältniss. Bei leichtem Gefälle muß man weitertreten, sonst bleibt man irgendwann stehen. Im ersten Supermark testen wir gleich das finnische Bier – nicht schlecht, aber teuer. 2 bis 3 Euro im Konsum, dafür aber immer gekühlt. Die Mittagsrast am See verläuft anfänglich sehr gut. Als wir das Geschirr abwaschen, macht sich ein Schwarm Raben über unsere Donats her, 3 Stück mußten wir opfern. Wir radeln weiter, was will man sonst auch machen. An einem anderen See finden wir die fast ideale Stelle für unser Nachtlager. Nur leider mit Bootsteg und sehr vielen parkenden Autos. Auf der anderen Straßenseite dann eine schöne Stelle. Wir lassen die Zelte über den Büschen trocknen und machen Abendbrot. Während wir essen, kommt ein Fuchs aus dem Wald, und schnuppert an unseren Klamotten. Ganz in Ruhe machen wir ein Foto, um ihn dann zu verscheuchen. Vom Mittagessen wissen wir, wozu die wilde Tierwelt in der Lage ist. Außerdem teile ich nicht gerne. Im See gehen wir uns waschen, zum Baden ist es zu kalt.
Nach dem üblichen Longdrink, wir hatten uns `ne Flasche Rum mitgenommen, geht es ins Bett – also Zelt.

Finnland ist erreicht
Langsam wird das Wetter besser
Ständige Begleiter in groß und klein

3. Tag Supru – Ivalo 118 km

Der Fuchs hat uns in der Nacht nicht mehr belästigt, jedenfalls konnten wir keine Verluste feststellen. Wegen der Mücken hat Matze heute keine Lust auf das Startfoto, also mache ich ein Sefie. Es ist bedeckt, aber erstmal kein Regen. Um 7:30 fahren wir los und kommen sehr gut voran. Ab und zu ein kleiner Regenschauer, die Temperaturen steigen allmählich von 13 auf 20 Grad. Ca. 13 Uhr erreichen wir Inari an dem gleichnamigen See. Für die Sami zählt der See zu den bedeutendsten Heiligtümern. Auf einer der über 3000 Inseln befindet sich die Opferstädte Ukonkivi. Wir haben großen Hunger und finden gleich ein Restaurant mit einem „All you can eat“ Buffet. Abwechlungsreich, geschmacklich sehr gut und heiß für 10 Euro. Wir schlagen uns die Bäuche voll und können an einem Tisch !!! sitzen. Als man uns langsam das Essen entziehen möchte, stellen wir fest, daß wir seit drei Tagen eine Stunde Zeitverschiebung haben. Prinzipell erst ein Problem, wenn wir einen Termin hätten.
Danach gibt es noch Kultur. Das Siida Ausstellungszentrum beherbergt gleichzeitig das Samimuseum, das als Nationalmuseum der Samen gilt, und das Naturzentrum Nordlappland. Alles ist sehr interessant gestaltet, unbedingt empfehlenswert ! Die Ausstellung zeigt den jährlichen Lebenszyklus, und informiert über Flora und Fauna in Lappland. Im Aussenbereich befindet sich die Nachbildung eines Dorfes, sowie einige Tierfallen. Schon schön zu sehen, wie man auf die Vorlieben der einzelnen Tiere eingeht. Die ca. 6500 Samen sind die letzten Ureinwohner in Europa, und leben heute noch teilweise als Halbnomaden mit ihren Rentierherden.
Der Reiseführer empfiehlt von hier aus einen 80 km langen Abzweig nach Nellim. Das Ganze als Sackgasse, und mit Schotterstraße. Zurück dann auch noch, also mindestens 1 1/2Tage. Und viel Spektakuläres weiß er auch nicht zu berichten, also sparen wir uns dieses Abenteuer.
Nach der Erfahrung, dass wir uns auch noch auf unseren Füßen fortbewegen können, setzen wir uns wieder auf die Räder. Gut 50 km sollen es noch werden, denn in Ivalo wartet heute Abend ein Bett auf uns. Kurz vorm Ziel hält uns ein Regenschauer von der Weiterfahrt ab. Gut, daß da gerade die „Bärenschänke“ am Wegesrand auftaucht. Wir trinken ein 5 Euro Bier. An die Preise haben wir uns langsam gewöhnt. Die Pension Majatalo kostet 70 Euro ohne Frühstück. Ein guter Preis, denn die große Küche und die Sauna gehören uns allein. Das schönste ist aber die warme Dusche. Jetzt noch schnell ein paar Sachen waschen, und dann Downtown. Abendbrot gibt es in der besten Imbissbude der Stadt. Die Wahl fällt auf Döner. Ich glaube die anderen Angebote wären auch nicht besser gewesen. Zum Nachtisch gibt es Schnäppchenbier, 0,568 ltr. für 1,99. Die Sauna nutzen wir zum Trocknen unserer Sachen. Schnell noch den Tagesbericht schreiben, und ab ins Bett.

Wegweiser
Der hat zu lange gewartet
Beweis für Kultur

4. Tag Ivalo – Yil- Kitinen 100 km

Wir werden vom Sonnenschein geweckt. Sofort sind wir voller Energie. Die Klamotten in der Sauna sind trocken. Jetzt noch die Plane und das Zelt zum trocknen ausbreiten. Dirk holt Brötchen. Auf dem Weg begegnet ihm ein verirrtes Rentier. Allerdings bewegt es sich, als ob es das normalste der Welt ist, durch die City zu laufen. Speck und Zwiebeln stehen auch auf der Einkaufsliste, heute Abend gibt es finnischen Jägertopf. Nach einem perfekten Frühstück fahren wir um 9 Uhr los. Das Wetter ist super. 19 bis 23 Grad und Sonnenschein. Nach 6 km versperrt uns eine ganze Rentierherde den Weg, also den Autos natürlich auch, was die Sache noch interressanter gestaltete. Irgendwann entscheiden sie sich dann doch, im Wald zu verschwinden. Die ersten 25 km rollen super, dann ein 5 km langer, Anstieg. Der Tagesschnitt ist im Eimer. Die Aussicht entlohnt aber für die Mühen. Die Abfahrt bringt uns nach Saariselkä, wo es in einem Cafe ein leckeres zweites Frühstück gibt. Nach ca. 30 km kommen wir nach Tankavaara, der einzigen Goldgräberstadt mit Museum in Europa. Das Museum, sowie der Außenbereich sind sehr schön gestaltet. Man kann sich auch selber im Goldwaschen probieren. Unsere Pläne sehen anders aus, wir wollen Mittagsrast machen. Zum 6 Euro Bier gibt es unseren mitgebrachten Imbiss. So gestärkt fahren wir weiter bis Vuotso. Dort werden unsere Vorräte aufgefüllt. Die letzten Zutaten, Birkenpilze für den Jägertopf, finden wir am Straßenrand. Unser Quartier ist heute etwas abseits der Straße an einem Stausee. Total romantisch mit Lagerfeuer und „Sonnenuntergang“. Die Pilzpfanne schmeckt hervorragend. Wenn man dann noch den Wareneinsatz von 1 Euro betrachtet, ein perfektes Mahl. Der Zeltaufbau ohne Plane gefällt uns sehr gut, man kann sich spontan einfach aufrecht hinstellen. Sicherheitshalber spannen wir sie zum Schluß doch noch.

Unterwegs
In der Goldgräberstadt
Flaschenhaus
Und täglich grüßt der Weihnachtsmann
soooooo schön, und romantisch

5. Tag Yil- Kitinen – Tanhua 115 km

Schon in der Nacht wird es sehr windig, und pünklich, als wir aufstehen wollen, fängt es wieder an zu regnen. Das Wetter wird sich heute nicht ändern, das ganze bei ca. 15 Grad. Nach einigen Kilometern macht Matztes Hinterrad komische Geräusche. Einmal das Rad ausbauen und nachschauen. Da wir aber nichts kaputt machen wollen, oder reparieren können, bauen wir es so wieder ein, und beobachten, bzw. belauschen das Ganze. Nach 20 Kilometer war das Geräusch weg, der Regen blieb. In Sodankylä gibt es eine groooooße Pizza. Sie hilft uns, noch 45 km zu fahren. Bei dem Wetter macht es aber keinen Spaß mehr. Gegen 19:30 Uhr finden wir in Tanhua eine kleine Hütte „Matkaparkki“ für 45 Euro. Sehr spatanisch, aber trocken und mit einem Tisch. Dazu ein Röhrenfernseher und ein Kassettenrecorder. Eine Hütte in der Mitte dient der Gemütlichkeit, dem Grillen und der Kontaktaufnahme. Wir freuen uns über unser trockenes Plätzchen, und da es immer noch regnet, haben wir keine Lust, über die nasse Wiese zu laufen. Zumal sich dort nur ein älteres Urlauberpärchen ans Feuer gesetzt hat. Wir essen noch eine Kleinigkeit und versuchen, noch ein paar Sachen zu trocknen.

Einheimische
Und wieder Regen
Treffpunkt für Einheimische und Touristen
Beim Weihnachtsmannmädchen
… nur keiner da
Wieder mal Regen
Unsere bescheidene Butze

7.Tag Salla – Ruka 80 km

Wir schlafen lange, was auch nötig war. Nach dem Frühstück dauert es natürlich bis wir unsere Sachen wieder gepackt haben. Kurz vor 10 Uhr reiten wir vom Hof. Die Sonne lacht öfter mal durch die Wolken, zwei kurze Schauer überstehen wir unter der schnell ausgepackten Plane. Im Oulanka Nationalpark gibt es ein zweites Frühstück, ´n Kaffe und ein Stück Kuchen für 1,50. Da nehmen wir doch gleich noch einen Nachschlag. Wir benutzen mal wieder unsere Füße und laufen eine halbe Stunde durch den Nationalpark. Hier steht auch, wahrscheinlich von Nokia gesponsort, ein großer Funkmast. Insgesamt sind die so über das Land verteilt, daß wir überall sehr guten Empfang haben. Wieder zurück entdecken wir, wir haben den nördlichen Polarkreis hinter uns gelassen. Das heißt, irgendwann wird es bald wieder dunkel werden. Gegen 14 Uhr endlich mal ein Rastplatz mit einer Sitzgelegenheit. Wir fangen an zu kochen, und es fängt an zu regnen. Es ist nur ein kurzer Schauer, wir kochen weiter, Chilli con Carne aus der Tüte. Beim Ümrühren stürzt der Topf ab, einer ist stinkesauer, der andere ist jetzt Staatsfeind Nr. 1. Die Hälfte konnten wir noch retten. Irgendwann essen wir die andere Portion Chilli, und stellen fest, es hätte ruhig alles abstürzen können. Eine kleine Nascherei versöhnt beide wieder. Unterwegs finden wir einen recht wilden Bach. Ein paar Angler versuchen hier, die Lachse zu überlisten. Es sah so aus, als ob sie noch Pilze sammeln müßten. An der ruhigen Stelle am Fluß machen ein sich paar „Wikinger“ für eine Bootstour bereit. Besonders die Kidis sehen lustig aus. Einige Kilometer weiter finden wir den perfekten Schlafplatz, aber es ist noch zu früh. Wieder mal an einem See, auf einem verlassenen Gelände. Es reicht aber für eine Bierpause. Das späte losfahren rächt sich jetzt. Gegen 18 Uhr haben wir „erst“ 80 km geschafft. Wir sind uns einig, heute geht nicht mehr viel. Ruka ist eigentlich ein Wintersportort, leicht schon von weitem an der Skisprunganlage zu erkennen. Daher sind einige Restaurants und Unterkünfte geschlossen. Ein Umstand der uns fürs Abendbrot stört, bei der Quartiersuche aber behilflich ist. Wir versorgen uns noch im Supermarkt, u.a. mit zwei Scheiben Kammfleisch. Mitten im Dorf mal wieder ein paar Rentiere, die dann auch noch den Kreisverkehr in falscher Richtung benutzen. Am See finden wir auch sofort unsere Unterkunft, ein nicht geöffneter Bungalowkomplex. Wir räumen uns die Terrasse frei und legen uns heute Nacht ohne Zeltaufbau in die Natur. Wir braten uns die Steaks, dazugibt es Brötchen. Anschließend versuchen wir uns mit Erfolg beim Angeln. Ein kleiner Hecht ist das Ergebniss. Auf dem Steg genießen wir noch die Sonne und das Supermarktbier. Wir schlafen sehr gut, und vor allem schnell.

Der Nordpolarkreis liegt hinter uns
Belohnung
Rücksicht
Schön, aber nicht lebendig
Das gekaperte Quartier

8. Tag Ruka – Hossa 105 km

Die Sonne weckt uns mal wieder, und wird uns heute wieder den ganzen Tag begleiten. Der See liegt im Nebel. Mit der Sonne dazu wieder ein sehr schönes Bild. Ein morgentliches Bad im See und ein Frühstück am Tisch wecken unsere Lebensgeister. Schnell noch die Terrasse aufgeräumt und an Matze`s Rad eine Speiche gewechselt. Um 8:30 Uhr sitzten wir auf dem Rad. Bis Kuusamo rollt es fantastisch. Am Marktplatz gibt es zweites Frühstück. Wir rollen noch durch den Ort, finden aber nicht`s Sehenswertes. Heute haben wir die ersten Kilometer auf Schotterstraße. Es ist aber kein großes Problem. Die Mittagsrast machen wir gemütlich an einem See. Daß die Nebenstraße eine Zufahrt zu irgendeinem Bauhof ist, merken wir erst, als das Essen am Kochen ist, und das vierte Auto vorbeikam. Als Vorspeise gibt es fangfrischen (es ist keine 20 Stunden her !), jungen Hecht an gebutterter, mit Zitrone verfeinerter, Pfeffer und Salz Vinaigrette. Der Hauptgang kommt wieder von „Travellfood“. Bis zum Abendquartier passiert nicht mehr viel. Am ersten Zeltplatz, „Hossan Lomakeskus“, ist kein Hütte mehr frei, man verspricht uns aber, daß wir zum Abendbrot vorbeikommen dürfen. Gleich beim Nachbarn, Campingplatz „Hossan Lumo“, bekommen wir auch kein eigenes Haus, aber für 13 Euro eine Stellplatz für`s Zelt. Dusche und Romantik am See sind inclusive. Nachdem wir die Zelte aufgebaut und geduscht hatten, fuhren wir zum Abendbuffet. Es gab Lachs, Bohnen, Reis, Obst, Salat und Kuchen für 12 Euro. Salat und Reis liegen abends immer so schwer im Magen, also machen wir uns über den Rest her. Gut, daß wir um 19 Uhr pünkich waren, als wir satt sind, füllt sich der Laden. Es gibt noch ein Tagesabschlußbier im Pavillon am See.

Morgen“dämmerung“
Alte Bekannte
Zelten auf dem Zeltplatz
Abendidylle

9.Tag Hossa – Raate 130 km

Wir stehen früh auf und frühstücken auf der Terrasse an der Rezeption. Bei der Gelegenheit machen wir auch gleich unser Startfoto, so ganz ohne Rad und im sitzen. Das Wetter ist wieder gut, die Straße sowieso. Einen kleinen Imbiss gibt es in Juntusranta. Ein kleiner Konsum mit einem Tisch und Stühlen vor der Tür. In Suomussalmi fahren wir unseren 1000 sten Tourkilometer. Ein üppiges Buffet zum Mittag ist die Belohnung. Für 9 Euro wieder richtig den Bauch voll schlagen. Einer freut sich, daß er nicht kochen muß, der andere meckert, weil er nicht bedient wird. In dieser Gegend Finnland`s gab es während des zweiten Weltkrieg`s mehrere Schlachten. Daher gibt es hier viele Denkmäler und Museen zu diesem Thema. Im Supermarkt holen wir uns wieder die Verpflegung für den Abend. Diemal ist eine Flasche Beerenwein dabei. Gar nicht schlecht das Zeug. Wir finden an einem See ein wirklich schönen Platz. Holz für ein Lagerfeuer liegt reichlich rum. Auch der Zugang zum Wasser funktioniert, sodaß wir baden gehen können. Als wir die Zelte aufbauen, kommen zwei Paddelboote auf uns zu. Als die Paddler merken, wir sprechen kein finnisch, und wir merken, die sprechen wenig englisch, drehen sie wieder ab. Nach dem Tütenabendbrot mit Beerenwein versucht sich Dirk noch mit der Angel. Ein paar Bisse, aber an Land ziehen wir keinen Fisch. Allmählich kann man nachts mit kurzer Dunkelheit rechnen. Uns stört es nicht weiter, wir brauchen das Licht nicht, wir fahren ja am Tage schon genug.

Überraschungsmenü VOR der Kneipe
Wir sind aber wirklich auch bergauf gefahren

[caption id="attachment_792" align="alignnone" width="300"] Wir auch
Ein festes Haus für zwei Nächte

12. Tag Lieksa 30 km

Wir schlafen aus,und machen uns ein Riesenfrühstück mit Rührei und Obst. Danach ist große Wäsche angesagt. Bei der Gelegenheit räumen wir auch gleich unsere Taschen auf. Anschließend werden die Räder gepflegt. Nun haben wir Zeit, die Stadt zu erkunden. Die Sehenswürdigkeiten sind im überschaubaren Rahmen. Man kann von hier aus mit dem Dampfer über den Pielinensee zum Berg Koli fahren. Von dort hat man einen schönen Blick über die finnische Seenlandschaft. Leider ist es sehr trübe, sodass wir uns die 35 Euro für die Überfährt sparen. In Lieksa findet in dieser Woche das alljährliche Blasmusikfestival “ Brass Week “ statt. In der City verschaffen wir uns dann erstmal einen Überblick. Im Cafe am Markt gibt’s einen Cappuccino und ein dickes Stück Kuchen. Ein paar Stände mit Folkloreartikeln und Imbissbuden sind aufgebaut. Das macht Mut für den Abend. Wir glauben, für Unterhaltung ist gesorgt. Zurück im Quartier wird die Wäsche gewendet, und dann spielt jeder mit sich selbst. Matze liegt am Strand und ließt, Dirk spaziert am Strand und versucht mal wieder Neptuns Früchte zu ernten, bzw. fangen. Das Buch ist spannend, Fisch essen wir in der Stadt. Zu unserer Enttäuschung hat sich zum Abend hin die Zahl der Stände drastisch reduziert. Ein Imbiss ist aber stehen geblieben, und will die ganze Nacht für uns kochen. Wir entscheiden uns für Rentiergeschnetzteltes und Maräne, eine finnische Süßwassersprotte. Beides sehr lecker. Nun galt es, Kontakt zur Bevölkerung herzustellen. Eine Bar ist dafür bestens geeignet, zumal es die einzige in dem Dreh ist. Zwei Bier später beginnt der Karaokeabend. Wir entscheiden uns, nur gucken, nicht mitsingen. Wieder mal die richtige Entcheidung, es gibt nur finnische Lieder. Die Herren singen die Schmachtlieder, die Damen versuchen mit ihren Beiträgen, der Melancholie zu entfliehen. Kurz nach Mitternacht, es wird fast dunkel, radeln wir in unsere Hütte zurück, wir wollen morgen nicht allzu spät los.

13.Tag Lieksa – kurz vor Ilomantsi 147 km

Wir fahren um 8:15 los. Schon nach zwei Kilometern müssen wir stoppen. Im Bungalow steht noch der Rum rum ! Also zurück, und alles einsammeln. Bis zum Mittag war es bewölkt, danach sonnig bei ca. 20 Grad. In Hirvivaara ein viel beworbenes Hostel mit Cafe. Sehr nett vom ukrainischen Besitzer gestaltet, mit Zimmern für 4 bis 10 Personen. Fünf trinkfreudige Einheimische fragen uns aus, und erklären uns für verrückt – irgendwie haben sie, trotz ihres Zustand`s, recht. Unterwegs wieder nicht viel Neues, nur ca.40 km Schotterweg waren zu bewältigen. Er war gut festgefahren, von daher kein Problem. In Hattuvaara dann ein viel gelobtes Restaurant mit einheimischen Gerichten incl. einem Kriegsmuseum. Der Kellner, in einer Uniform, kann uns mal wieder nicht weiterhelfen, es gibt nur Kaffe und Kuchen. Nicht mal ein Bier will er uns verkaufen. Wir fahren zum Hof der griechisch – orthodoxen Kirche und kochen uns ein Travellfood. Anschließend füllen wir den Wassersack auf, man kann ja nie wissen. Nach 18 Uhr kommen wir in Möhko an. Der östlichste Kontinentalpunkt der EU. Nur Zypern als Insel liegt weiter im Osten. Hier ist am Sonntagabend natürlich auch nichts mehr los, kein Restaurant oder Kiosk. Ein Stück fahren wir noch ,und finden einen sehr schönen Platz am See. Die Angelerfolge bleiben wieder mal aus, also noch eine Portion Travellfutter. Vielleicht hätten wir im See nicht erst baden sollen ?! Aber ein schöner Sonnenuntergang, und ein Rum-Cola entschädigen uns.

14.Tag kurz vor Ilomantsi – Kiteenlahti 120 km

Guten Morgen Murmeltier, es ist 8.15 Uhr, unser Timing ist perfekt, oder auch langweilig. In Ilomantsi verfahren wir uns das erste mal auf dieser Tour. Beim zweiten Frühstück erzählt uns ein Mann , er sei auch schon in Deutschland gewesen – zum Oktoberfest. Die Erfahrung von gestern lehrt uns, wir müssen uns versorgen. Heute soll es wieder finnischen Jägertopf geben, also Speck und Zwiebeln mit einkaufen. Die Pilze wollen wir dann abend`s sammeln. Als dann aber die herrlichsten Steinpilze am Wegesrand stehen, können wir nicht wiederstehen. Die Birkenpilze lassen wir alle stehen. Guten Mutes radeln wir die nächsten 30 Kilometer. Auf einem Schild steht Campingplatz „Lota Kista“. Wir hoffen auf ein Bier und biegen ab. Da es noch nicht 18 Uhr ist, wird unsere Hoffnung erfüllt, obwohl ein Schild auf eine geschlossene Veranstaltung hindeutete. Nach zwei Sätzen stellen wir fest, wir können alle drei ganz gut deutsch sprechen. Die Wirtin heißt Roswita und kommt aus dem Prenzlauer Berg, quasi Matze`s früheres Jagdrevier. Zum zweiten Bier bringt sie uns eine Bratwurst mit Senf. Sehr lieb von ihr, ich hätte auch ein paar Piroggen genommen. Wir unterhalten uns sehr nett, müssen aber leider weiter, obwohl wir gerne geblieben wären. In Värtsilä sind wir dann wieder direkt an der Grenze zu Russland. Einige Hinweisschilder und Markierungen an den Bäumen machen uns auf die Gefahr aufmerksam. Im Hotel Soki erzählt uns die Kellnerin, daß wir uns in der Region Karelien, und diese sich beidseitig der Grenze, befinden. Der Ort selbst wurde durch die neuen Grenzen nach dem zweiten Weltkrieg geteilt. Irgendwie kommt uns das bekannt vor. Hier verläuft auch eine Bahnschiene, auf der das russische Holz in die EU transportiert wird, oder umgekehrt. Nebenbei fahren auch einige LKW. Diese müssen wohl, Dank der sowjetischen Kennzeichen recht dicht an uns vorbeifahren. Wie immer wollen wir nicht im direkten Grenzgebiet zelten. Also fahren wir noch einige Kilometer . Wieder an einem See schlagen wir unser Quartier auf. Diesmal mit eigenem Boot. Wir nutzen es, um vernünftig sitzen zu können. Die Pilzpfanne ist excellent, Matze`s Mischungen auch !

15.Tag Kiteenlahti – Kamma 117 km

Wir wachen bei Nebel auf, aber am Horizont ist die Sonne zu sehen. 20 Grad sind es schon morgens, wir steigern uns auf 28 Grad bei strahlendem Himmel. Schotterstraße ist heute nicht dabei, dafür aber einige Anstiege, bei denen wir wieder absteigen müssen. Da wir von unserem Nachtquartier aus keine richtige Waschmöglichkeit haben, halten wir gleich an der nächstmöglichen Stelle. Natürlich ein viel besserer Platz, aber so ist es ja immer. Wir baden und machen uns landfein. In Kilee gibt es das zweite Frühstück und nichts zu sehen. Gegen 11:30 erreichen wir den zur Stadt gehörenden Zoo. Wir bemühen mal wieder unsere Hinterläufe, und sind nach einer guten Stunde durch. Neben Tieren, die mit Finnland so rein gar nichts zu tun haben, gibt es Füchse, Bären und endlich den ersehnten ELCH ! Für 13 Euro kann man das ruhig mal machen. In Kesälahti lassen wir wieder für uns kochen. „All you can eat“ für 10 Euro. Nachmittags springen wir noch einmal in den See. Kurz danach eine Hütte am See mit dem Motto, wer zuerst da ist, kann drin schlafen. Aber wie gestern, einfach mal zwei Stunden zu früh. Ein letzter, nerviger Anstieg bringt uns Richtung Schlafplatz. Es sollen heute mal wieder über 800 Meter Höhendifferenz sein. Eine perfekte Zufahrt zu einem See nutzen wir, und fangen an, unsere Zelte aufzubauen. Wie wir feststellen, auch der beste Zugang zum See für die Dorfbevölkerung. Es nähern sich zwei junge Damen, die dann zögerlich unser Treiben beobachten. Jeder von uns beiden denkt,cool, was der andere organisiert hat. Dem ist aber nicht so. Die Mädels erkennen, dass wir so was von harmlos sind und springen in den See. Wir bauen weiter auf, die Girls sind irgendwann weg, und wir kochen wieder Tütenfutter. Plötzlich kommt ein Auto angefahren, und wir sehen, wie der Fahrer telefoniert. Als ein zweites Auto kommt, glauben wir, dass wir wieder abbauen müssen. Eine Familie steigt aus, Mutti und die Kinder gehen baden, Vati spielt den Bodyguard. Als die Frau wieder aus dem Wasser kommt, spricht sie uns auf deutsch an. Wir plaudern etwas, Fragen auch gleich, ob wir hier bleiben können. Alles kein Problem sagt sie. Wir nehmen dann auch noch ein Bad, Dirk versucht sich mit der Angel, Matze schreibt Tagebuch, und die Sonne geht romantisch unter.

16.Tag Kamma – Imatra 100 km

Während wir frühstücken und abbauen kommen die nächsten Dorfbewohner an den See. Eine mit Hund, die andere mit Mann und Hund. Wir ziehen los und fassen im ersten Supermarkt Proviant. Hinter Parikkala wurde uns ein Skulpturenpark empfohlen. Direkt im Grenzgebiet stehen dort ein paar ganz lustige Gestalten herum, in 40 Jahren geschaffen von Veijo Rönkkönen. Nachdem wir freiwillig unseren Kulturbeitrag geleistet haben, gab es das zweite Frühstück, danach fahren wir weiter. In Rautjärvi haben dann ein paar Schulkinder den Radweg zum Thema Flüchtlinge bemahlt. Man muß kein finnisch können, um sie zu verstehen. Gegen Mittag erreichen wir einen herrlichen See. Mitlerweile haben wir 28 Grad. Also ist ein Sprung in das kühle Nass gerechtfertigt. Wir sind allein, demzufolge sehen wir nicht einm warum wir die Badehose nass machen sollten. Als wir eh`langsam aus dem Wasser wollten, kam die finnische Familie Flodder angeradelt. Vati betrachtete alles trockenen Fußes, Mutti und Tochter, zusammen über 180 kg, gingen schwimmen. Wir wollten uns das nicht weiter antun, und fuhren los – natürlich angezogen. Landschaftlich schön, aber weiterhin nicht abwechslungsreich radeln wir Richtung Imatra. Wie vor jedem größeren Ort beginnt der straßenbegleitende Radweg, dann kam der Hinweis, noch 14 km. Nach zwei Kilometer das Ortseingangsschild. Hier passt doch irgendwas nicht – doch. Es zog sich elend lange hin, erst Kasernen, dann etwas Industrie. Ein, also zwei Bier weckten dann die Lebensgeister für die restlichen 8 km. Der Campingplatz wurde im Reiseführer angepriesen, und lag mitten in der Stadt. Wir bekamen Hütte 3, mit Gemeinschaftsdusche und WC, aber eigenem Kühlschrank, andersrum wäre auch blöd gewesen. Von der Terrasse haben wir einen unverbauten Blick auf den Stausee. Wir verwüsten schnell das Zimmer und fahren einkaufen. Anschließend fahren wir zum Wasserfall mit Musik und Licht, so der Plan. Unser Quartiervater zog uns gleich den Zahn, daß da heute eine Vorstellung ist, aber wir überzeugen uns selber. Und siehe da, die Staumauer war geöffnete, und es ergoss sich ein reißender Strom. Leider fehlte das Licht und die Musik. Wir wollten erst eine Kerze anzünden und dazu singen, haben uns dann aber doch anders entschieden. Die komplette Vorstellung findet, trotz Saison, nur noch Samstags statt. Wir besuchen noch das Denkmal für die Selbstmordopfer, die sich früher an dieser Stelle recht zahlreich in die Fluten stürzten. Eine weitere Attraktion ist ein Seil, an dem man über den Fluß kommt, wahrscheinlich aber auch nur am Sonnabend. Das Abendbrot serviert uns der Italiener, sorry, die Italienerin. Steak und Lachs, dazu gezapftes Bier, und alles ohne aufstehen ! Die City haben wir schon erkundet, bleibt noch das Schloss, in dem heute ein Hotel untergebracht ist. Wir umkurven es und fahren dann zu unserem gut gefüllten Kühlschrank. Der vorhin noch reißende Strom ist mittlerweile nur noch ein Rinnsal. Auf der Terrasse machen wir es uns gemütlich, und quasseln noch ein bisschen mit unseren Nachbarn, einem belgischen Pärchen und einem einsamen Radler aus Deutschland. Dieser will am nächsten Tag Richtung Sankt Petersburg abbiegen. Trotz gutem Essen und Getränken gibt es von beidem noch einen kräftigen Nachschlag, Schokolade und Bier. Matze muß dann noch die ohnehin schon fetten Enten füttern, er nimmt das alte Brot dazu. Irgendwann verschwinden wir nach und nach im Bett.

17.Tag Imatra – Villala als 105 km

Um 6:30 scheint die Sonne in unser Zimmer und die Enten verlangen ihr Frühstück. Matze liegt im „Schatten“ und hat das Kopfkissen auf beiden Ohren. Dirk steht auf und sagt den Enten, daß er ein gutes Rezept kennt. Es beeindruckt das Viehzeug wenig, also geht er duschen ohne anzustehen. Das Frühstück wird auf der Terrasse serviert, die Cafeteria ist noch geschlossen. Wir haben entschieden, nach Lapeenranta zu fahren. Nicht der originale Radweg, aber eine super Idee. Der Radweg führt entlang der Autobahn, und hätten wir uns an unser Navi gehalten,wären wir bei schönstem Wetter auch zügig voran gekommen. So kam es zu einem kleinen Umweg und großem Mißmut. In Lapeenranta angekommen, wurde ein klärendes Gespräch geführt, an dessen Ende wir kein Bier tranken, sondern auf der Festung,im Cafe „Majurska“, ordentlich Kuchen aßen. Dazu Cappuccino mit gepfefferten Preisen. Anschließend nahmen wir die Räder,schauten uns die restliche Festung an, und fuhren zum Hafen. Dort war ein kleiner Rummel mit einer großen Sandburg und zwei riesigen Sandskulpturen, sowie eine kleine Eisbude mit riesigen Preisen. Wir wählten die mittlere Kugel für 3,50. Die Größe und der Geschmack rechtfertigen den Preis. Weiter am Hafen gab es dann doch noch ein Bier. Wir suchten den Weg aus der Stadt und versorgten uns im Supermarkt mit den Dingen des täglichen Bedarfs. Wenige Kilometer weiter mußten wir schon wieder halten. Das schöne Wetter und ein See stoppten uns. Nach der Abkühlung dann aber die nächsten Kilometer durchgeradelt. Unser letztes Nachtlager in der Wildniss solle an einem großen See liegen. So voll mit Lagerfeuer und Sonnenuntergang und so. Kurz vorm Ziel trafen wir noch einen Regensburger Radler. Er wünschte uns einen schönen Weg und sich schönes Wetter. Bis 20:30 Uhr wurden beide Wünsche erfüllt. Wir fanden zwar nicht den See, aber eine Scheune. Wir öffneten die Tür und fanden ein Paar Turnschuhe neueren Datums. Deshalb machten wir es uns lieber davor gemütlich. Nachdem wir aufgebaut hatten fand Matze dann doch noch den See. Die Romantik hatten wir uns zu diesem Zeitpunkt eh schon aus dem Kopf geschlagen. Eine letzte Portion Travelfood, begleitet von drei Rum/ Cola rundeten den Tag ab. Als der Regen dann stärker wurde, versuchte ein Bauer noch, sein Stroh ins Trockene zu bringen. Rasend schnell fuhr er viermal an uns vorbei.

18.Tag Villala – Hamina 90km

Der Regen hatte sich verzogen, es war bewölkt. Vor dem Frühstück große Wäsche im See, denn wir erreichen ja heute unser Ziel, so der Plan. Frühstück und Abbau verlaufen planmäßig, die Route größtenteils auf der Landstraße. Das zweite Frühstück mußten wir um 12 km verschieben, da der angepriesene Konsum nicht mehr existierte. Nun schlängelt sich der Weg um die Landstraße herrum. Die ersten zwei Umwege nehmen wir noch mit, dann zieht es uns doch in die Großstadt. Auf dem letzten Abzweig fahren wir wieder direkt im Grenzgebiet, und uns stellen sich dann noch ein paar finnische Grenzer in den Weg. Er erklärt uns die hiesigen Geflogenheiten, und wir ihm, daß wir wissen, wo wir sind, und auf Tawarisch eh keinen Bock haben. In Vaalimaa fragen wir nach dem Weg. Noch 13 km in Richtung Helsinki. Den im Reiseführer angepriesenen Ort Virolahti gibt es nicht. Daß es das ausgeschilderte Virojoki ist, kann ja keiner wissen, also radeln wir weiter. Haben wir uns vorhin Missverstanden? 30 statt 13 ? An einer Kreuzung Fragen wir einen freundlichen Autofahrer. Ja, 13 km zurück, oder 15 nach vorn. Wir entscheiden uns für Plan B. Frohen Mutes geht es weiter, bis Matze plötzlich nicht mehr da ist. Dirk radelt zurück, und sieht, daß er schon die Taschen vom Rad nimmt, ein Platter ! Kurz vorher haben wir noch den 2000sten Tour Kilometer gefeiert. Der Schlauch ist schell getauscht, aufpumpen, aufladen, und weiterfahren. Am Straßenrand hören wir plötzlich ein lautes Knacken. Wir vermuten einen Elch, können aber nichts sehen. Am Ortseingang bejubeln wir das Finale. Hamina ist ein altes Militärstädtchen. Sieht nett aus, aber dafür haben wir keine Zeit. Außerdem gehört es gar nicht zu unserem Radweg. Bei einer 3,50 Eiskugel erkundigen wir uns nach dem Weg zum Busbahnhof. Die erhalte Wegbeschreibung führt uns zumindest in die richtige Richtung. Noch zweimal nachgefragt, endlich sind wir da. Wir wollen Fahrkarten kaufen, aber man sagt uns, daß wir beim Busfahrer bezahlen sollen. Der nächste Bus fährt in fünf Minuten. Am Steig 2 eine kleine Schlange, aber alle ohne großes Gepäck. Wir können unsere Räder also im Ganzen in den Frachtraum legen. Dirk sichert die Sitzplätze und Matze die Fahrkarten. 32 Euro für zwei Personen und zwei Räder ist im Verhältniss zum Bier und Eis dann ein richtiges Schnäppchen. Immerhin sind es noch 150 km. Im Bus buchen wir noch das Hotel „Anna“ und langsam realisieren wir: WIR HABEN ES GESCHAFFT !!! In Helsinki beladenen wir wieder den Packesel, und suchen das Hotel. Dank der freundlichen Mithilfe der Eingeborenen finden wir es sehr schnell. Wir verstecken die Räder auf dem Hof und verwüsten wieder schnellstmöglich das Zimmer. Wir machen uns Stadtfein und stürzen uns in das Leben von Helsinki. In einer Pizzeria gibt es typische, italienische Hausmannskost und tschechisches Bier. Hier sind die Preise noch höher, als im Rest des Landes. Ein kleiner Stadtbummel mit einigen Zwischenstopps bringen uns langsam Richtung Hotel. Als wir im Supermarkt noch einen Sechserträger Schnäppchenbier holen wollen, kriegen wir erklärt, daß nach 21 Uhr auch kein Bier mehr verkauft werden darf. Also noch einen Absacker für 8,50 und ab ins Bett.

19.Tag Helsinki 0 km

Wir schlafen aus. Plötzlich stellen wir fest, daß wir sehr viel Zeit haben. Das leckere Frühstück ist schon fertig, und die Betten müssen wir auch nicht wegräumen. Einfach nur hübsch machen und ab in die City. Auf Empfehlung nehmen wir die Straßenbahn Nr. 3. Diese fährt an allen Sehenswürdigkeiten vorbei und wir können uns eine Übersicht verschaffen. Nach der ersten Runde fahren wir noch drei Stationen weiter und steigen am Hafen aus. Die Markthalle ist nicht nur unser erstes Ziel. Zwei Kreuzfahrtschiffe liegen am Kai. Wir drehen eine Runde und gehen weiter über den Hafen. An Imbissbuden und Souvenierständen vorbei informieren wir uns über das Speisenangebot.
Etwas den Berg hinauf steht, weithin sichtbar. die Uspenski- Kathedrale, die orthodoxe Kirche von Helsinki, und die größte ihrer Art in Westeuropa. Sie wurde 1868 eingeweiht. Im Inneren sind viele Mosaike, Kronleuchter und insgesamt 13 Kuppeln zu bewundern. Ebenfalls zu bewundern war eine Hochzeitsgesellschaft. Hier war die Brautschwester oder beste Freundin der Braut der eigentliche Hingucker. Ein paar Schritte weiter ist man auf dem Senatsplatz mit dem Dom, ebenfalls in russisch- orthodoxer Bauweise errichtet. Vor dem Dom steht ein Denkmal für Zar Alexander II. Die klassizistischen Gebäude am Platz wurden nach Entwürfen des Berliner Architekten Engel gebaut. Nach ihm wurde hier auch ein Cafe benannt, das Angebot war aber nicht sehr aufregend. Wieder zurück am Hafen sehen wir die Meerjungfrau, die lieber an Land leben möchte. Sie ist eines der Wahrzeichen von Helsinki. Sie wird in dem Moment dargestellt, als sie das Wasser verläßt und einen letzten, sehnsüchtigen Blick über die Schulter Richtung Meer wirft. Nun wird es Zeit für einen kleinen Snack. Die Markthalle ist jetzt leer, die Stände haben immer noch ein großzügiges Angebot. Ein Brötchen mit Rentierschinken wird mit einem Bier runtergespült. Über die Prachtstraße Esplanade wollen wir allmählich zurück Richung Hotel. Wir haben unterwegs ja schon mehrere Musikfestival’s erlebt, warum nicht hier. Auf einer Bühne wird Jazz mit Klassik kombiniert. Ein Stück weiter finden wir dann Skandinaviens größtes Kauhaus „Stockmann“. Wir schlendern ein bisschen durch und kaufen einige Kleinigkeiten. Danach halten wir eine kleine Mittagsruhe. Da hier alles sehr eng beieinander liegt, ist der Abendspaziergang nicht sehr abwechslungsreich. Wir essen Abendbrot und trinken hier und da ein Bier.

20. Tag Helsinki 40 km

Heute können wir das Frühstück etwas länger genießen, was wir auch machen, weil es auch noch lecker ist. Danach bekämpfen wir unsere Entzugserscheinung, und setzen uns auf’s Rad. Der Hafen ist das erste Ziel. An den Imbissbuden erkundigen wir uns nach den Öffnungszeiten. Bis 16 Uhr sagte man uns, bei schlechtem Wetter etwas eher. Dann geht’s auf den Dampfer. 90 Minuten die halbgroße Hafenrundfahrt. Die Sonne scheint aber der Wind kühlt uns wieder runter. Wenn man die Zeit hat, ist die Tour durchaus empfehlenswert. Angebote gibt es jede Menge. Wieder festen Boden unter den Füßen teilen wir uns ein Teller frisch gebratene Maränen.Das nächste Ziel ist das Olympiastadion. Dieses wurde für die Spiele 1940 errichtet, welche ja bekanntlich verschoben wurden. 1952 fand dann die Olympiade hier in Helsinki statt. Japan und die BRD incl. Saarland durften wieder teilnehmen. Einen bisher ungebrochenen Rekord stellte der Tscheche Emil Zatopeck auf, der die 5000 m, 10000m und den Marathon gewann. Für damalige Verhältnisse wahrscheinlich groß, heute ein eher kleines Stadion. Wir umradeln das Stadion und die Nähe gelegene Töölöbucht. Hier sehen wir alte Holzvillen, sowie die Oper und die Finnlandiahalle, Nostalgie und Moderne nebeneinander. Bei einer kleinen Rast watschelt eine riesige Entenfamilie mit lautem Geschnatter durch den Park. Zurück am Hafen serviert uns der Lapplandimbiss Rentierbulette und Elchbratwurst, beides sehr lecker, nur das servieren klappt noch nicht. Ein unbedingtes Muss ist die Felsenkirche. Einfach ein großes Loch ins Gestein gesprengt, ein Dach aus Kupfer und Glas drauf, fetig ! Optisch sehr schön. Die Kirche soll für Konzerte eine sehr gute Akustik haben bzw. bei Ruhe zum meditieren anregen. Es ist Sonntagnachmittag und es sind immer noch japanische Reise Gruppen unterwegs. Die unterschiedlichen Töne der Kameras sind akustisch nicht der burner und zum meditieren waren die Geräusche nicht zu eintönig. Für das Abendbrot suchen wir schonmal das Restaurant „Manala“ in unmittelbarer Nähe. Wir radeln zum Bahnhof um uns für die morgige Abfahrt vorzubereiten, Abfahrtszeit, Preis, Zahlweise, alles nicht ganz unwichtig. Die Züge fahren regelmäßig und man kann seine Tickets ohne Aufpreis im Zug bezahlen. Nach einer Runde vorbei an alten Ansichten und neuen Perspektiven fahren wir nach dem Abendbrot zum Brunnenpark am Diplomatenviertel. Hier entdecken wir nach der gestrigen, vergeblichen Suche die Teppichwaschanlage. Die Holztische am bzw. im Wasser dienen immer noch zum Teppich waschen. In heißen Partynächten wird hier auch schon mal getanzt. Heute ist Sonntag und es wird kühl – irgendwie schade. Wir lassen unser Tour bei einem Bier mit Sonnenuntergang ausklingen, wir sind quasi FIN(N)IS(C)H !!!
Zum Abschluss noch ein paar praktische Tipps. Die Tour verläuft größtenteils auf asphaltierten Hauptstrasen. Die Orientierung ist daher nicht schwierig, weil auch nach dem Berg erst ein Tal, und dann wieder ein Berg kommt. Verpflegung sollte man immer für einen Tag dabei haben und regeregelmäßig auffüllen. Im südlichen Teil von Finnland waren dann doch einige der beschriebenen Kaufmannsläden nicht mehr vorhanden. In allen skandinavischen Ländern gilt das Jedernannsrecht, das heißt, man kann so ziemlich überall zelten. Man sollte sich nur einen Platz suchen, an dem man von bewohnten Häusern nicht zu sehen ist. Ein nicht ganz so schwieriges Unterfangen bei der Bevölkerungsdichte. Ein lauschiges Plätzchen am See ist da fast immer drin. Nur die Sache mit dem angeblichen Anglerparadies habe ich nicht verstanden. Wahrscheinlich lag es aber daran, dass wir vom Ufer aus geangelt haben. Die Seen sind am Rand doch recht flach.

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